9. September 2010

Wahre Freunde...



Hier werden wahre Werte noch gewertschätzt!

6. September 2010

Viva la Revolución


Am Samstag hatte ich den ersten Drehtermin mit meiner Filmgruppe. Wir machen eine Reportage über die vegetarische Bewegung in Santiago und die hatte am Samstag einen großen Marsch durch die Stadt geplant.

Doof war natürlich, dass wir aus unerfindlichen Gründen an diesem Tag keine der Uni-Kameras ausleihen konnten. Deshalb haben wir mit der kleinen Handkamera einer Kommilitonin und ohne Stativ gedreht. Natürlich hat nicht jeder so eine ruhige Hand wie der Kamera-Ungscht, von daher sind die Bilder bestimmt nicht zu gebrauchen.
Immerhin waren viele Vegetarier da, wie man auf dem Bild sieht.
Es wurde getrommelt und laut gesungen. Vor jeder Metzgerei hat der Zug halt gemacht und Schmähgesänge angestimmt.
Was man nicht sieht ist, dass auch verdammt viele Polizisten da waren. Seitdem es den neuen Präsidenten gibt, ist das Polizeiaufgebot bei solchen Veranstaltungen verdreifacht worden.
Aber die Vegetarier waren schlau und haben ca. 70 Straßenhunde gefüttert, die dann mit marschiert sind und die Polizisten gebissen haben. Als der Marsch dann an einem großen Platz zu Ende war, meinte meine Gruppe, wir sollten besser verschwinden. Weil gleich würden die liebenswürdigen Polizisten die Veranstaltung mit überzeugenden Argumenten wie Wasserwerfern und Tränengas auflösen. Na gut, das hat mich überzeugt.
Die Polizei hat auch ziemlich viel gefilmt und wahrscheinlich bin jetzt vom chilenischen Geheimdienst als gefährlicher Aktivist erfasst. Das wird dann wahrscheinlich nix mit meiner Visumsverlängerung. Aber dann fahr ich halt in die USA. Ich habe ja eine gute Bekannte in San Diego.

2. September 2010

Nichts geht über einen hübschen Magen-Darm-Trakt

Die Uni hier in Chile kennt keine Gnade. Kaum habe ich heute die ersten Aufsätze abgegeben, hagelt es direkt neue, die ich bis nächste Woche fertig haben muss. Damit ist das Wochende komplett ausgebucht, am Samstag bin ich nämlich schon mit meiner Filmgruppe samt prähistorischem Kameramaterial zum Drehen verabredet.
Gestern musste ich im Übrigen eine Stunde warten, bis meine Filmgruppe zum ausgemachten Gruppentreffen erschienen ist. In dieser Wartezeit hat sich aber einiges interessantes ereignet. Zum Beispiel habe ich gelernt, dass man in Chile die Wunder der modernen Medizin noch zu schätzen weiß. Während ich so vor mich hin wartete, kam eine chilenische Studentin auf mich zugestürzt, die ich noch nie vorher gesehen hatte. Wir begrüßten uns mit dem obligatorischen Wangenkuss, dann erzählte sie mir, sie hätte wahnsinnig tolle Bilder von ?????? (diese Vokabel kannte ich nicht). Die müsste sie mir unbedingt zeigen. Prima, dachte ich, zeig mal her den Kram.
Ich hatte ja mit einigem gerechnet, aber nicht damit, dass mir die gute die Bilder von ihrer Magen-Darm-Spiegelung präsentiert. Sie hat sich auf jeden Fall sehr gefreut und mit einem breitem Grinsen ihren Bauch gerieben und "stomach" gesagt, als würden diese Bilder eine Erklärung benötigen. Weiter ging es auf Spanisch damit, dass diese roten Stellen in der Schleimhaut das Problem seien. Jaja. Mehr habe ich zum Glück nicht verstanden und dann kam auch schon der nächste, dem das Album vorgestellt wurde.
Später habe ich dann erfahren, dass leider eine meiner Kommilitoninnen unseren Fernsehkurs verlassen hat. Sie ist schwanger. Überraschenderweise schon im sechsten Monat. Der Mitproduzentin des Nachwuchses, irgendein extranjero, ist natürlich schon über die Anden geflüchtet. Aber sonst ist alles super bei ihr. Die Freude auf den Zwerg-Chilenen ist bei allen ungetrübt. Wenn alle so drauf sind wie die Dame mit dem Magen-Album, gibt es wahrscheinlich in drei Monaten ein Geburts-Public-Viewing...

24. August 2010

Bilder-Quiz



Was soll das? Rechts die Umfrage zu dieser grandiosen Konstruktion, mit der ihr mir Helfen könnt, die Frage zu beantworten.

A portion of spanish please

Eine Woche Uni in Chile ist rum, und naja, es ist anders. Los ging es mit dem höchsten Englischkurs, den man überhaupt belegen kann. Themen: Food and Drink (how to order in a restaurant) und "how to speak on the telephone". Hört sich einfach an, aber die Professorin kommt irgendwo aus dem Ostblock und droht bei jedem winzligen Fehler mit der Kalaschnikow. Danach ging es weiter mit journalistischem Schreiben auf Spanisch. Diesen Kurs musste ich leider abwählen, weil Herr Pizarro (die chilenische Frau Krauß) ein Arbeitspensum voraussetzt, das ich eindeutig nicht erfüllen kann.
Mittwoch war keine Uni. Juhu. Denn der chilenische Student protestiert gern. Jawoll. Letztes Semester sogar zwei Monate. Mit dem Ergebnis, dass das U-Bahnticket für Studenten um 50 Pesos (ca. 0,0000005 Euro) billiger ist. Na herzlichen Glückwunsch. Stattdessen hätte man lieber dagegen protestieren sollen, dass die Uni-Räume seit dem Erdbeben aussehen wie Bombenkrater.
Die Kurse, die ich sonst noch hatte, sind in Ordnung, aber es wird schon ganz schön schwierig auf Spanisch.
Immerhin sind in meinem Englisch-Kurs ein paar nette Jungs, die für ihr Baby-Futbol Team noch eine "diez", ein "brain of the team" suchen. Dafür bin ich natürlich wie gemacht und werde das am Donnerstag unter Beweis stellen.
Jetzt gleich habe ich noch einen Kurs, in dem Filme analysiert werden bei dem Professor aus Remscheid. Entweder der gute Mann ist innerhalb von zwei Wochen um 50 Jahre gealtert und hat in dieser Zeit auch sämtliches Hörvermögen eingebüßt, oder ich habe beim ersten Treffen nicht aufgepasst. Das wird ein Spaß...
Bis die Tage

19. August 2010

Schweinsteiger, ein gutes Bier und Hurensohn

Wie versprochen nun der Bericht über die sagenhaften Abschiedsparty meiner Mitbewohnerin. Es waren nicht allzu viele Gäste da, vielleicht so um die 15. Irgendwie fühlten die sich in der kleinen Küche am wohlsten, die ja direkt neben meinem Zimmer liegt. Das wird im Laufe dieser Erzählung noch von Bedeutung werden. Es waren hauptsächlich laute Chilenen da, die mehrere Fässer Bier binnen weniger Minuten leerten. Zum Glück galt die Konzentration hauptsächlich dem Bier und nicht dem grausligen Bohnengericht.
Die freundlichen Chilenen zeigten sich vor allem an Deutschland interessiert, besonders an der deutschen Sprache. Ich habe den Abend also hauptsächlich damit verbracht ihnen, die richtige Aussprache der Wörter beizubrigen, die sie so schon konnten. Dabei handelte es sich um "Schweinsteiger, Hurensohn und ein gutes Bier". Da wusste ich noch nicht, dass es sich als schwerwiegender Fehler entpuppen sollte, die Jungs zu unterrichten.
Gegen 12 Uhr habe ich mich ins Bett verabschiedet, weil ich am nächsten Tag um acht Uhr meinen ersten Uni Kurs hatte. Die Bierfässer waren mittlerweile leer, dafür hatte man für Nachschub von der Tanke gesorgt.
Ich war schon fast eingeschlafen, da ging es los. Die Stimmung meiner fleißigen Schüler hatte sich durch den enormen Alkoholeinfluss offenbar noch weiter verbessert. Minütlich skandierten sie brüllend : "Chweinsteiga, Hulensohl, ai gUATES BIA!!!"
Wie gesagt mein Zimmer liegt direkt neben der Küche, ab vier Uhr konnte man dann aber prima schlafen. Tags darauf waren alle verschwunden. Die Mitbewohnerin samt den grölenden Chilenen. Zurückgelassen hatte die Mitbewohnerin dankenswerter Weise das schmutzige Geschirr und den Topf mit dem mittlerweile völlig verbrannten, kohleartigen Bohnengericht. A guaten!

14. August 2010

Beinfreiheit

In der letzten Woche es ist etwas stiller um diesen Blog geworden. Mit gutem Grund: Ich habe die vergangenen Tage hauptsächlich damit verbracht, unmotiviert auf die Unterlagen für meine Hausarbeit in Eichstätt zu starren. Das wird sich an diesem Wochenende wohl auch nicht ändern.
Gestern gab es dann aber doch noch einen Höhepunkt. Ich war mit meiner WG unterwegs. Zuerst im Zentrum, beim Plaza de Armas. Dabei sind wir an einigen ziemlich schicken Cafés vorbeikommen. Dabei handelte es sich aber nicht um gewöhnliche Cafés. Dort gibt es nämlich eine ganz besondere, chilenische Spezialität: "Café con piernas", Kaffee mit Beinen. Die Bedienungen in diesen Lokalitäten servieren die Getränke in Miniröcken, Bikinis oder Dessous und sollen die Gäste mit geistreichen Unterhaltungen verwöhnen. Wir haben uns den Spaß natürlich nur von draußen angeguckt.
Danach waren wir dann noch etwas im angesagten "Liguria" essen.
Heute abend geht es direkt mit dem nächsten Knaller weiter. Meine Mitbewohnerin aus den "States" hat eine kleine Abschiedsparty geplant. Sie zieht nämlich nächste Woche aus. Dabei wird sie den Gästen ein gallertartiges Bohnengericht servieren, das seit drei Tagen in unserer Küche vor sich hin brütet. Vielleicht gibt es zum Abschluss auch noch Birnen mit Erdnussbutter, die mag sie auch gern. Da muss ich mir noch was ausdenken, um diesem Festschmaus zu entgehen.
In den nächsten Tagen hört ihr dann, wie ich das ganze überstanden habe...